Sicherheitsempfehlungen zum Betrieb von Servern und lokalen Netzen in Krankenhäusern

Erarbeitet von der GMDS-Arbeitsgruppe
Datenschutz in Gesundheitsinformationssystemen

Lokale Netze und Client-Server-Systeme mit den Serverbetriebssystemen Windows (NT, 2000, XP) oder Unix (Linux oder andere Varianten) werden immer häufiger in Krankenhäusern eingesetzt, meist zusätzlich zu einem zentralen Patientendaten-Verwaltungssystem. Dabei treten durch mangelnde Fachkenntnis und zeitliche Überlastung des IT-Personals, aber auch aufgrund von Sicherheitslücken in den Server-Betriebssystemen, Sicherheitsprobleme auf, die wirksamen Datenschutz verhindern. Die Konfiguration eines einigermaßen sicheren lokalen Netzes ist komplex und aufwendig. Dieser Aufwand ist aber aufgrund der Datenschutzvorschriften unumgänglich, sobald Patientendaten auf dem Server oder dem Netz gespeichert oder verarbeitet werden; er sollte auch in allen anderen Fällen im eigenen Interesse nicht gescheut werden und erfordert in jedem Fall eine Vollzeitstelle für einen Systemverwalter. In dieser Empfehlung kann das Thema bei weitem nicht erschöpfend behandelt werden. Nicht behandelt wird auch die Sicherheit von Arbeitsplatzrechnern; hierzu wird auf

verwiesen. Ebenfalls nicht behandelt wird die Sicherheit der angebotenen Dienste und Anwendungen; für HTTP-Server wird auf vewiesen.

Grundsätzliches zur Sicherheit von Server-Betriebssystemen

Auf einem unsicheren Betriebssystem kann man keinen sicheren Server aufsetzen. Daher ist der Sicherung des Betriebssystems große Sorgfalt zu widmen. Prinzipiell lassen sich die gängigen System-Plattformen hinlänglich sicher konfigurieren, wobei der Aufwand nicht unterschätzt werden sollte. Die Wahl zwischen Windows NT/2000/XP oder einem gängigen Unix-System (z. B. Linux) sollte in erster Linie vom vorhandenen Know-How bestimmt werden.

Windows NT (und seine Nachfolger 2000 und XP) wird oft als sicheres Betriebssystem angepriesen. In der Tat bietet NT einige Sicherheitsmechanismen, die für IT-Betreiber, die MS-DOS, Windows 3 oder Windows 95/98/ME gewöhnt sind, sehr eindrucksvoll wirken. Dieser Eindruck ist aber irreführend, zumal die Systemvoreinstellungen nur wenige der möglichen Sicherheitsschranken in Kraft setzen. Ebenso wird die Sicherheit eines Servers, besonders bei Windows-Systemen, durch Installation und Betrieb von Anwendungssoftware in der Regel unterlaufen; manche Anwendungssoftware funktioniert sogar nur mit unsicheren System-Einstellungen. Auch die durch die Benutzungsoberfläche, besonders ab NT-Version 4.0, suggerierte Leichtigkeit der Konfiguration ist irreführend und gefährlich, da sie Nachlässigkeit provoziert. Hinzu kommt bei Windows-Systemen, dass beim Einspielen von Bugfixes und »Service-Packs« oft sorgfältig konfigurierte Sicherheitseinstellungen zurückgesetzt werden.

Unix-Systeme sind im Gegensatz dazu für den erfahrenen Systemverwalter übersichtlicher. Die Einarbeitungszeit ist zwar möglicherweise etwas länger, dafür sind aber die Systemprozesse und Fehlerbehebungsvorgänge wesentlich leichter unter Kontrolle zu halten, und die Konfiguration ist deutlich leichter nachvollziehbar; der Server ist damit insgesamt leichter sicher zu halten. Im Zweifelsfall ist daher ein Unix-System vorzuziehen. Wichtig ist in jedem Fall eine »Härtung« des Servers. Das bedeutet unter anderem:

Weitere Hinweise zur Serverhärtung findet man im WWW: Das angestrebte Sicherheitsniveau sollte mindestens dem »mittleren Schutzbedarf« im entsprechen, soweit möglich auch darüber hinausgehen.

Um über aktuelle Sicherheitsfragen stets auf dem laufenden zu sein, sollte der Systemverwalter mindestens eine einschlägige Usenet-Newsgruppe oder Mail-Liste verfolgen.

Sicherheitsratschläge für Aufstellung und Konfiguration von Servern

Um die Sicherheitsmechanismen des Betriebssystems wirkungsvoll einzusetzen, ist eine ausführliche Planung, insbesondere der Zugriffsrechte, und eine sehr sorgfältige Umsetzung nötig. Das Prinzip der minimalen Rechte sollte bei der Zugriffsregelung strikt beachtet werden. Im Netz sollte genau festgelegt werden, welcher Rechner in welche anderen welches Ausmaß an Vertrauen setzt und welche Ressourcen an ihn freigegeben werden. Ebenso sollten die Benutzer-Zugriffsrechte auf Ressourcen und Shares in einer Rechte-Matrix spezifiziert werden.

Es sollte stets eine ausgedruckte Version der System-Konfiguration einschließlich Vernetzungsplan und eine exakte Beschreibung der Sicherheitspolitik (»Policy«, »Systemrichtlinien«) zur Hand sein. Die Konfiguration sollte sorgfältig dokumentiert sein, insbesondere die Sicherheitsmaßnahmen. Eine Auswahl wichtiger Sicherheitsmaßnahmen ist:

Sicherheitsratschläge für den Systemadministrator

Die gelegentlich gehörte Empfehlung, die Administrator-Kennung mit einem anderen Benutzernamen zu versehen, ist weitgehend nutzlos, da NT-Rechner auf mehreren Wegen bereitwillig die Kennung des Administrators verraten.

Weitere Verweise ins Internet


21. Oktober 2001. Letzte redaktionelle Änderung: 26. Oktober 2001.
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Pommerening@imsd.uni-mainz.de